Es wird immer teurer: Die Kosten für die städtischen Bauvorhaben steigen immens. Bis zu 50 Prozent werden sie teurer. Vor allem im Hafen. Denn dort investiert die Stadt am meisten in diesem Jahr: satte 47 Millionen Euro.

Der Grund für die Kostenexplosion: Die Auftragsbücher der Bau-Firmen sind voll und sie verlangen höhere Preise. Jetzt reagiert die Stadt. Die Unternehmen erhalten längere Fristen, um ein Angebot abzugeben. Und: Sie können die Baustellen zeitlich flexibler gestalten. Dadurch hofft die Stadt mehr Firmen anzulocken – und damit günstigere Preise zu bekommen.
Kosten steigen um bis zu 50 Prozent

„Wir haben extreme Kostensteigerungen“, gibt Guido Kaschel, Chef der Lübeck Port Authority (LPA), der städtischen Hafenbehörde, zu. Außerdem bewerben sich immer weniger Firmen, um Bauprojekte der Stadt. „Wir haben weniger Angebote“, sagt Kaschel. Der Grund: „Der Bau-Markt ist satt.“ Das führt zu Mehrkosten von fast 50 Prozent. Diese massiven Preissteigerungen muss der Hauptausschuss absegnen. Aktuell gibt es drei solcher Hafen-Bauprojekte.

Vorwerker Hafen: Kaimauer

Nummer eins: der Vorwerker Hafen. Die Spundwand am Anleger vier muss erneuert werden – auf ihrer gesamten Länge von 190 Metern. Sie ist 56 Jahre alt und so marode, dass die Kaimauer abgesperrt werden musste auf zehn Meter Breite. Kosten sollte das Ganze 1,9 Millionen Euro. Jetzt schlägt das Projekt mit 2,8 Millionen Euro zu Buche – inklusive Planung und Bauen. Eine enorme Preissteigerung um 47 Prozent. Die Stadt hat auf die erste Ausschreibung des Bauvorhabens sieben Angebote erhalten – alle teurer als gedacht. Daher hat die Stadt das Verfahren aufgehoben – und startet eine neue Ausschreibung.
Skandinavienkai: Anleger acht

Nummer zwei: Skandinavienkai

Der Anleger acht soll umgebaut werden für Ro-Ro-Verkehre. Er wird dringend benötigt, damit der Anleger sechs repariert werden kann. Er ist 2016 durch eine Havarie beschädigt worden. Die Kosten: Geplant war eine Million Euro. Jetzt muss die Stadt dafür 1,5 Millionen Euro hinlegen. Ebenfalls 50 Prozent mehr als geplant. Für dieses Bauvorhaben hatte nur eine Firma ein Angebot abgegeben, das deutlich teurer war. Die Stadt muss auch am Skandinavienkai die Ausschreibung aufheben – und muss erneut Firmen für das Projekt suchen.
Volksfestplatz: Bahnübergang

Nummer drei: der Bahnübergang am Volksfestplatz.

Dieses Bauvorhaben ist bereits abgeschlossen. Die Stadt betreibt die Hafenbahn und ist für diesen Bahnübergang am Waldsaum zuständig. Er stammt aus den 1960er Jahren. Die Technik war alt und musste erneuert werden. Geplant waren 530 000 Euro, jetzt kostet das Ganze 730 000 Euro – immerhin 40 Prozent mehr. Es bewarben sich nur wenige Firmen. Ihre Angebote waren schon teurer als geplant. Doch dann war der Bahnübergang noch maroder als gedacht und damit stiegen die Kosten weiter.

Die Lösung

Jetzt will LPA-Chef Kaschel mehr Firmen anlocken. Um eine bessere Auswahl zu haben – und auch günstigere Preise. Jetzt kriegen die Firmen mehr Zeit, um ein Angebot abzugeben. Und: Die Firmen können die Bauzeit flexibler gestalten. Damit hat die LPA bereits gute Erfahrungen gemacht – am Seelandkai. Der wird derzeit erweitert. Statt der kalkulierten 1,5 Millionen Euro hat das Projekt 1,25 Millionen gekostet – 250 000 Euro weniger. In einem Bericht der Stadt heißt es: „Die Firmen konnten damit offensichtlich günstiger kalkulieren.“

 

Quelle:LN/Josephine von Zastrow

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