Am 27. Februar 2026 fand in der traditionsreichen Schiffergesellschaft das 156. Nautische Essen des Nautischen Vereins Lübeck (NVL) statt. Der Zweite Vorsitzende Thorsten Metschulat begrüßte rund 230 Teilnehmer, darunter zahlreiche Mitglieder sowie Gäste aus Politik, Wirtschaft und Marine.
Als Ehrengast nahm Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, teil. Grußworte überbrachte Lübecks Stadtpräsident Henning Schumann. Den maritimen Impuls zur Sicherheitslage in der Ostsee setzte Konteradmiral Richard Kesten vom Marinekommando Rostock. Jakobi-Pastorin Bärbel Reichelt sprach das traditionelle Tischgebet.

Maritime Sicherheit in bewegten Zeiten

In seiner Rede ging Thorsten Metschulat auf die veränderte sicherheitspolitische Lage im Ostseeraum ein. Der Krieg in der Ukraine habe auch für die maritime Wirtschaft spürbare Auswirkungen. Handelswege, kritische Infrastruktur und Sicherheitslagen müssten neu bewertet werden. Maritime Sicherheit sei heute mehr denn je ein zentraler Bestandteil der Friedenssicherung.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Zukunft des Hafenstandorts Lübeck. Der NVL sieht im Eigenbetrieb „Hafen Lübeck“ großes Entwicklungspotenzial. Im Fokus stehen die Stärkung des Skandinavienkais, Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz sowie die Verlagerung von Güterverkehren auf Schiene und Wasserstraße.
Ministerpräsident Daniel Günther zeigte sich erfreut, nach zwei vorangegangenen Anläufen nun der dritten Einladung folgen zu können. „Der Hafen in Lübeck ist ein zentraler Motor für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und internationale Handelsbeziehungen“, betonte Günther. Gerade angesichts tiefgreifender geopolitischer Veränderungen zeige sich die Resilienz von Gesellschaft und Wirtschaft. Zugleich verwies er auf das Wegbrechen verlässlicher internationaler Partner und unterstrich: „Die Europäische Union muss selbstbewusst auftreten und stärker auf die eigene Kraft vertrauen.“
Im Zusammenhang mit seiner geplanten wirtschaftspolitischen Reise, gemeinsam mit der Stadt Hamburg, nach Polen, Lettland und Litauen hob Günther die enge Zusammenarbeit der Ostsee-Anrainerstaaten hervor. Ziel sei es unter anderem, gemeinsam gegen die sogenannte Schattenflotte vorzugehen und faire Wettbewerbsbedingungen im maritimen Sektor zu sichern.

(Akteure des Abends. v.l.: Konteradmiral Richard Kesten, Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, St. Jakobi-Pastorin Bärbel Reichelt, Thorsten Metschulat, zweiter Vorsitzender des NVL , sowie Stadtpräsident Henning Schumann)

Bedeutung des Hafens für Lübeck

Stadtpräsident Henning Schumann unterstrich in seiner Rede die herausragende wirtschaftliche Rolle des Lübecker Hafens. Mit rund 500.000 Passagieren und nahezu 25 Millionen Tonnen umgeschlagener Ladung erbringe der Hafen etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung der Hansestadt. Dies verdeutliche eindrucksvoll die Bedeutung der maritimen Infrastruktur für Beschäftigung, Wertschöpfung und internationale Vernetzung.
Zudem kündigte Schumann an, dass in Kürze wieder ein Schiff der Deutschen Marine den Namen „Lübeck“ tragen werde. Es handele sich um eine Korvette, die am 29. April 2026 in Hamburg getauft werde – ein starkes Zeichen der Verbundenheit zwischen Stadt und Marine. Taufpatin wird Huong Nguyen, Frau des Lübecker Stadtpräsidenten

Unterstützung für Projekt „Lehmannkai 1+“

Im Zusammenhang mit der geplanten Hafenerweiterung „Lehmannkai 1+“, die sich aktuell im Planfeststellungsverfahren befindet, sprach sich der NVL für eine zukunftsorientierte Lösung aus. Das Projekt der Firmengruppe Lehmann sieht unter anderem den Neubau von Logistikhallen, eines Büro- und Sozialgebäudes sowie eines neuen Gates vor. Private Investitionen in Millionenhöhe wertet der Verein als klares Signal für die wirtschaftliche Perspektive des Standorts Lübeck.
Der NVL strebt weiterhin eine intensive Mitarbeit im Lübecker Hafendialog an, zusammen mit allen Partnern aus der Hafenwirtschaft.

Elbe-Lübeck-Kanal: Option B für nachhaltige Verkehre

Ein weiteres zentrales Thema bleibt der Elbe-Lübeck-Kanal (ELK). Nach dem Stopp der Planungen für einen Vollausbau Anfang 2022 gilt ein solcher derzeit als unwahrscheinlich. Der NVL betonte jedoch, dass der Bedarf an Binnenschifffahrt weiterhin bestehe.
Als trimodaler Hafenstandort setze sich Lübeck für eine nachhaltige Verlagerung von Güterverkehren auf Schiene und Wasserstraße ein. Der ELK spiele dabei – insbesondere im Hinblick auf die anstehende Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck – eine wichtige Rolle.
Der NVL plädiert für eine Sicherstellung der Instandhaltung des Kanals sowie für innovative Ansätze wie die Förderung klimafreundlicher, ELK-tauglicher Binnenschiffe. Perspektivisch könne auch autonome Binnenschifffahrt eine Rolle spielen. Ein entsprechendes Gutachten des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik bescheinige dem Kanal hierfür grundsätzlich Eignung.
Mit Blick auf den Elbe-Lübeck-Kanal (ELK) bezeichnete Ministerpräsident Günther dessen aktuelle Entwicklung als bedauerlich – insbesondere angesichts seiner strategisch hohen Bedeutung für den Güterverkehr. Das Land Schleswig-Holstein unterstütze gezielt den Ausbau der Infrastruktur am Skandinavienkai sowie am Terminal Schlutup. Gleichzeitig machte Günther deutlich, dass hierfür stärkere Unterstützung durch den Bund erforderlich sei. Die norddeutschen Häfen stünden insgesamt vor einem Investitionsbedarf von rund zwei Milliarden Euro. „Wenn der Bund ein Sondervermögen von 400 Milliarden Euro bereitstellt, dann müssen die Seehäfen als Rückgrat unserer Exportnation davon stärker profitieren“, so der Ministerpräsident.

Festlicher Rahmen und starkes maritimes Netzwerk

Neben den inhaltlichen Impulsen bot der Abend in der Schiffergesellschaft einen würdigen und festlichen Rahmen. Gutes Essen, gepflegte Getränke und intensive Gespräche prägten die Veranstaltung. Im Rahmen einer Spendensammlung kamen 2.661,50 Euro zugunsten des Feuerschiff Fehmarnbelt zusammen.
Das 156. Nautische Essen unterstrich einmal mehr die Bedeutung des maritimen Netzwerks in der Hansestadt Lübeck – in bewegten Zeiten, mit klarem Kurs in Richtung Zukunft.

 

Impressionen des Abends:

 

Quelle: PM, NVL/LHR