Aus dem seit mehr als 40 Jahren geführten Elbschifffahrtsarchiv in Lauenburgs Altstadt wurde jetzt durch eine offizielle Namensänderung das Deutsche Binnenschifffahrtsarchiv. Hier lagern knapp 100.000 Archivalien zur deutschen Schifffahrtsgeschichte. Technische Zeichnungen, Fotos, Tondateien, Bücher und vieles mehr. „Jetzt zeigt schon der Name deutlich an, was hier alles drinsteckt“, freut sich Archivleiter Werner Hinsch. Denn das äußerlich eher unscheinbare Haus an der Elbstraße 141 ist drinnen eine wahre Fundgrube.

(Bernd Dittmer, Markus Reich und Werner Hinsch (von links) mit Logo und Urkunde zur Namensänderung, Foto: Timo Jann)
Die Namensänderung konnte nach der erfolgreichen Registrierung beim Deutschen Patent- und Markenamt in München erfolgen. Auch ein Logo, das ein Binnenschiff mit einer Welle entlang des Rumpfes zeigt, wurde direkt mit angemeldet und registriert.
Der Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums, der neben dem Museum und dem Archiv auch den 125 Jahre alten Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ betreibt, hat mit der Namensänderung auf seinen tatsächlichen Archivbestand reagiert. „Die Bestände beinhalten in nahezu allen Themenbereichen mehr als 50 Prozent Unterlagen aus den nicht zum Elbegebiet gehörenden Strombereichen“, berichtet Markus Reich, der Vorsitzende des Vereins. Bernd Dittmer als stellvertretende Archivleiter hatte sich deshalb der Namensänderung angenommen. „Die erfolgreiche Umbenennung ist eine bedeutende Aufwertung in überregionalen Fachkreisen“, so Dittmer.
Doch der Weg zum neuen Namen war nicht einfach, berichtet Dittmer. So sei das dreieinhalbseitige Antwortschreiben aus München auf den Erstantrag schwieriger zu lesen gewesen als eine EU-Verordnung, so Dittmer. Innerhalb der Widerspruchsfrist habe man darauf nicht reagieren können. Deshalb wurde ein fundierter neuer Antrag vorbereitet – und dieser nach Ablauf der gesetzlich vorgesehenen Widerspruchsfrist genehmigt. „Wir sind und bleiben ein großes Spezialarchiv, das alles beinhaltet, was irgendwie mit Wasser zu tun hat“, erklärt Hinsch. Aufgegebene Werften beispielsweise haben ihren Fundus an die Lauenburger Experten übergeben, auch private Sammlungen gehören zum Bestand. Seit einigen Jahren wird dieser auch digitalisiert.
Das Archiv gilt als führend in Deutschland und ist international anerkannt, unter anderem ist es Mitglied im European Network auf River Museums. Gerade erst habe man eine Anfrage aus Südafrika erhalten, ob es Informationen zum Raddampfer „SS Bismarck“ gebe, der 1868 in England gebaut wurde und vor Südafrika gesunken war, so Dittmer. Man selbst habe dazu nichts im Fundus, prüfe jetzt aber Informationen mit den Partnern, um antworten zu können.
Die archivierten Unterlagen dienen nicht nur dem Verein zur Erstellung von einmaligen Schriften zur Schifffahrtsgeschichte im Selbstverlag. Bis heute sind sieben Buchveröffentlichungen sowie 18 „Lauenburger Hefte zur Binnenschifffahrtsgeschichte“ erschienen. Sondern auch für teils internationale Forschungsprojekte werden regelmäßig Informationen bereitgestellt. Hinsch: „Allen Aktivitäten gemein ist die Dokumentation von Ereignissen, Unternehmungen und Daten und diese für die Nachwelt zu erhalten.“
Quelle: Täglicher Hafenbericht (THB)