Ein Negativrekord bei der Schifffahrt im Hinterland des Hamburgers Hafens jagt den nächsten: 2025 wurden an der Schleuse in Geesthacht nur noch 7994 Binnenschiffe mit 5,239 Millionen Tonnen Ladung an Bord gezählt. 2024 waren es noch 500 Schiffe und gut 250.0000 Tonnen mehr. Das ist aber alles kein Vergleich zu zehn Jahren zuvor, als 18.545 Schiffe 10,336 Millionen Tonnen Ladung transportiert hatten.

Hamburgs Hinterlandverkehr per Binnenschiff geht weiter zurück, 2025 waren es in Geesthacht 7994 Einheiten, Foto: Timo Jann
Woran dieser erneute Rückgang liegen könnte, kann sich Tilman Treber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lauenburg nicht erklären. Zumal im Hamburger Hafen 2025 ein Plus beim Umschlag erzielt wurde. „Eine Möglichkeit ist der politisch gewollte Kohleausstieg, dadurch kommt es bereits seit einiger Zeit zu einem Ladungsrückgang in diesem Segment“, sagt Treber. Tatsächlich wurden 2025 insgesamt rund 759.000 Tonnen Kohle an Bord der geschleusten Schiffe registriert, im Vorjahr waren es noch gut 891.000 Tonnen.
3343 Einheiten hatten eine Größe von 2000 Tonnen, 1847 von 1500 Tonnen, gezählt wurden außerdem 491 Schubboote. 1690 von 2207 Leerfahrzeugen wurden zu Tal, also Richtung Hamburg geschleust, es wurde also mehr Ladung aus dem Hamburger Hafen ins Hinterland transportiert, was für Importe spricht. Auch 267 Fahrgastschiffe und 3424 Sportboote passierten die Schleuse.
Bei den transportierten Gütern dominierten 2025 Erdöl mit 1,3 Millionen Tonnen, chemische Erzeugnisse mit 415.000 Tonnen, land- und fortwirtschaftliche Produkte mit 387.000 Tonnen sowie Erze und Metallabfälle mit 378.000 Tonnen. Der Containerverkehr stieg von 101.889 Boxen in 2025 auf 117.883. Dabei waren die Ladungsmengen in Berg- und Talfahrt nahezu ausgeglichen.
Der Rückgang im Elbe-Lübeck-Kanal fällt unterdessen noch deutlicher aus. 2025 weist die Statistik des WSA für die Lauenburger Kanalschleuse nur 234 Binnenschiffe auf. Im Jahr zuvor waren es allerdings auch nur 373 Einheiten. „Wir hatten bis Mai 2025 eine achtmonatige Sperrung der Donnerschleuse. Da haben sich Logistiker andere Wege und damit Schiffer andere Betätigungsfelder gesucht“, weiß Treber. 98.653 Tonnen Ladung hatten die Frachter an Bord, im Vorjahr waren es 167.886 Tonnen. Und, der Blick weiter zurück zeigt, wie massiv der Einbruch am Elbe-Lübeck-Kanal tatsächlich ist: 2008 hatte 2432 Binnenschiffe noch 1,055 Tonnen Ladung an Bord. Der Rekordwert von 1,479 Millionen Tonnen ist mittlerweile 30 Jahre alt.
Im Schiffshebewerk Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal bestätigt sich der Trend. Das Gros der in Geesthacht registrierten Schiffe führt durch den Elbe-Seitenkanal ins Wasserstraßennetz weiter und nicht Richtung Ostsee. Auch hier wurden nur noch 5,159 Millionen Tonnen Ladung (minus vier Prozent) registriert.
„Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die Schifffahrt zu unterstützen“, versichert Tilman Treber für sein Team beim WSA.
Quelle: THB/Täglicher Hafenbericht