Neue „Büsumer Liste“ benennt wichtigste norddeutsche Verkehrsprojekte
                                                – ein Bericht von Hagen Scheffler

 

In Büsum einigten sich die Verkehrsminister der fünf norddeutschen Küstenländer Anfang November auf eine Liste von 43 Verkehrsprojekten mit Priorität bei Straßen, Schienen und Wasserstraßen. Die „Büsumer Liste“ gilt als Fortsetzung der 2008 entstandenen „Ahrensburger Liste“, die 24 als vordringlich zu realisierende, überwiegend hafenrelevante Verkehrsprojekte von überregionaler Bedeutung enthielt. Auch die neue Liste weist die Seehäfen und ihre Hinterlandanbindung als hoch eingestufte Verkehrsprojekte aus und unterstreicht damit die Bedeutung der Rolle Norddeutschlands „als logistisches Drehkreuz“, so der Kieler Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Die Verkehrsprojekte der Büsumer Liste bilden die Grundlage für eine funktionierende überregionale Verkehrsstruktur und die beabsichtigte nachhaltige Verkehrsverlagerung von Straße auf Schiene und Wasserstraße.

Terminal Skandinavienkai  (Foto: Martin Eilsen)

 

Bedeutung für Lübecks Zukunft als Hafenstandort

Minister Madsen hat für Schleswig-Holstein vor allem folgende Projekte einbracht: als Straßenprojekte den Aus-und Weiterbau von Autobahnen und Bundestraßen (A 20, A 24 und A 23, B 207), als Schienenprojekt den Ausbau der Strecke Lübeck-Büchen-Lüneburg (inklusive Elbquerung) und als Wasserstraßenprojekte den Aus- und Neubau am Nord-Ostsee-Kanal und den Ausbau der Bundeswasserstraße Trave. Dabei fällt auf, dass die Landesregierung den für den Hafen- und Hinterlandverkehr immer wieder geforderten Ausbau des Elbe-Trave-Kanals (ELK) aufgegeben zu haben scheint, der 2008 noch Bestandteil der „Ahrensburger Liste“ war. Der Ausbau des ELK gehört offensichtlich nicht mehr zu den priorisierten Verkehrsprojekten der Landesregierung. Diese Haltung provoziert die Frage, wie sich diese Position mit der Zielsetzung verträgt, die Seehafenhinterlandanbindungen zu verbessern. Für Lübeck und den Hafenbereich stellt die bisherige Zurückstellung aller Arbeiten am ELK einen klaren Nachteil dar. Entsprechend groß ist das Echo. Denn mit einem voll funktionsfähigen ELK wäre Lübeck als einziger deutscher Ostseehafen direkt mit dem innereuropäischen Binnenwasserstraßennetz verbunden. Der ausgebaute ELK würde die trimodale Anbindung der Lübecker Häfen sichern, zumal es bereits Engpässe bei der Schienenanbindung (durch Erneuerung) und bei Straßen (durch hohes Verkehrsaufkommen) gibt. Der Präses der IHK Lübeck, Thomas Buhck, stellte in einer Pressemitteilung die hohe Bedeutung des ausgebauten ELK für Europa und den Verkehrskorridor von Nordschweden bis Süditalien heraus. Eine leistungsstarke Hafenhinterlandanbindung sei „zur Förderung des Handels, als Beitrag zur Verkehrswende und zur Stärkung der strategischen Bedeutung des Hafens notwendig“ (Buhck).

Neuordnung der Hafenverwaltung Thema in der Bürgerschaft

Bürgermeister Jan Lindenau wird der Bürgerschaft der Hansestadt in der Sitzung am 27. November ein Konzept zur strategischen Neuordnung der städtischen Hafenverwaltung vorlegen (vgl. Lübecker Hafenrundschau). Entschieden wird über eine Vorlage, wie die Lübeck Port Authority (LPA) sich zur zukunftsorientierten und wirtschaftlich leistungsfähigen Organisation weiterentwickeln soll. Mit Jahresbeginn 2027 sollen nach dieser Vorlage die wirtschaftlichen Aktivitäten des städtischen Bereichs LPA in den neuen Eigenbetrieb „Hafen Lübeck“ (EHL) überführt werden. Die strategische Neuordnung der städtischen Hafenverwaltung, im Dialog mit der LHG entwickelt, hat zum Ziel, „den Hafen Lübeck als leistungs- und wettbewerbsfähige Drehscheibe im Ostseeraum zu positionieren“ (Lindenau). Laut IHK-Präses Buhck gehört dazu auch der Ausbau des ELK, alles andere sei „völlig unverständlich“. Um mit Nachdruck auf fehlende Projekte und entsprechende Finanzmittel hinzuweisen, wurde kürzlich in Hamburg von Vertretern der deutschen Hafenwirtschaft „Hafengipfel im Kanzleramt“ gefordert.

 

Quelle: Lübeckische Blätter Nr. 19/2025