Bei Firma Brüggen löscht MS EEVA VG (103m) finnischen Hafer aus Loviisa:


Am Nordlandkai liegt MS GT CETUS (89m) mit Dünger aus St. Petersburg:

Vor zwei Wochen endete die Sperrung des Elbe-Lübeck-Kanals, die rund ein halbes Jahr anhielt. Die Kunden im Lübecker Hafen mussten in der Zeit auf LKW und Seeschiffe ausweichen. Seit der Öffnung haben gerademal zwei Binnenschiffe den Weg nach Lübeck gefunden. Schauen wir mal, ob wieder so etwas wie Normalität auf den Kanal zurückkehrt. Viele Binnenschiffer sollen sich zu anderen Binnenwasserstraßen orientiert haben, weil es dort „mehr“ zu verdienen gibt.
Im Klughafen liegt das Lübecker Binnenschiff DREADNOUGHT (75m):









(Binnenschiffer und Eigner der „Dreadnought“, Benedikt Scherhag)
Ein Bericht aus der ZEIT Online:
Wie es wirklich ist … sich als Binnenschiffer selbstständig zu machen.
Protokoll: Marie-Charlotte Maas aus der ZEIT Nr. 52/2024
Ich stamme aus einer Dynastie von Landratten. Geboren und aufgewachsen bin ich in einem rheinischen Braunkohlegebiet. Dass ich mit 30 als Binnenschiffer über die Kanäle schippern würde, wäre mir in meiner Jugend nie in den Sinn gekommen. Nach der Schule versuchte ich mich erst als Soldat und dann als Maschinenbau-Student. Beides passte nicht zu mir. Da sagte ein Kumpel bei einem Kneipenabend: Fahr doch zur See! Das war eine Schnapsidee, aber auch nüchtern gefiel sie mir noch. Ich lernte Schiffsmechaniker, wurde nicht übernommen – reiste daher als Servicetechniker mit dem Flugzeug um die Welt und reparierte Rettungsboote. Nach fünf Jahren und 65 Ländern reichte es mir. Ich wollte wieder Wasser unter mir spüren und machte eine Umschulung zum Binnenschiffer. Als mein damaliger Chef eines seiner Schiffe verkaufen wollte, dachte ich: Warum nicht? 250.000 Euro kostete der Kahn. Andere kaufen eine Wohnung, ich ein Schiff. Seit einem Jahr bin ich nun selbstständiger Binnenschiffer und fahre durch Deutschland, manchmal auch bis in die Niederlande oder nach Belgien. Was ich lade, bestimmt die Genossenschaft, mit der ich zusammenarbeite; oft ist es Getreide. Mein Schiff, die Dreadnought („Fürchte nichts!“), ist relativ klein: 75 Meter lang und 8 Meter breit – aber sie kann 915 Tonnen Last transportieren. Sie hat Platz für zwei Wohnungen mit Küche und Bad. Eine bewohne ich mit meinen zwei Katern, die andere mein Mitarbeiter. Allein fahren darf ich aus rechtlichen Gründen nicht.
Binnenschiffer ist ein fordernder Job. Manche Tage stehe ich 14 Stunden hinterm Steuer. Vor allem bei Sturm und Nebel und im Dunkeln ist das keine romantische Bootsfahrt. Wenn das Schiff nicht beladen ist und starke Strömung herrscht, wird es richtig schnell, und die Fliehkräfte wirken. Während meiner Umschulung habe ich mich einmal verschätzt und bin an einer Brücke hängen geblieben. Zum Glück kann ich dank meiner Lehre die Schäden selbst reparieren.
Geld ist bei Binnenschiffern immer ein Thema, weil man nie weiß, wie die Auftragslage in den nächsten Monaten sein wird. Im September sah es düster aus: Das zuständige Amt hatte alle Schleusen gesperrt, sodass die Firmen ihre Waren lieber per Lkw schickten. Ein paar Monate zuvor fiel eine wichtige Schleuse in Hannover aus – drei Tage lang lagen 150 Schiffe im Stau. Ich bin sicher, dass es in Zukunft nicht leichter wird, weil der Zustand unserer Schleusen eine Katastrophe ist, überall Risse in den Mauern. Leider sind wir in Deutschland nur 4.000 Binnenschiffer und haben keine Lobby. Doch trotz der Widrigkeiten liebe ich meinen Beruf. Ich fühle mich endlich angekommen. So sehr, dass ich sogar meinen Urlaub auf dem Schiff in meiner Heimatstadt Lübeck verbringe. Dann fahre ich mit der Dreadnought unter Getöse in den Hafen ein. Die Musik, die über die Lautsprecher schallt, und die Fahnen, Wimpel und Wappen an dem Boot, das ich in den Stadtfarben rot und weiß gestrichen habe, sollen der Binnenschifffahrt Aufmerksamkeit bescheren. Wer weiß, vielleicht werden dann ja eines Tages die Schleusen anständig repariert.