Die Diskussionen um die politische Wahrnehmung der Häfen in Deutschland ebben nicht ab. Viel mehr erwartet die deutsche Hafenwirtschaft, dass die notwendigen Forderungen endlich in Berlin wahrgenommen und umgesetzt werden. Sie forderte auf dem Port Summit in Hamburg einen Hafengipfel im Kanzleramt, um mit Nachdruck auf die fehlenden Mittel für die Infrastruktur hinzuweisen. „Auf der theoretischen Ebene sind die Häfen wichtig. Sobald es jedoch um die Finanzierung geht, steht da schon ein großes Fragezeichen“, stellte Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg auf dem Port Summit in Hamburg vor 200 Teilnehmern fest.

(Bild oben: Fordern mehr Geld (von links): Sebastian Jürgens (ZDS-Vizepräsident), Malte Heyne (Hauptgeschäftsführer Handelskammer Hamburg), Rainer Fabian (Präsident UVHH) und Moderator Jan Ninnemann, Foto: Ralf Johanning)
Die Hafenwirtschaft fordert daher eine einmalige Finanzierung der Seehäfen von 15 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, um den Stau bei den Infrastrukturmaßnahmen zu beheben. „Wir benötigen zudem jährlich gut 500 Millionen Euro für unsere Häfen. Dieser Verpflichtung muss der Bund nachkommen“, betonte Sebastian Jürgens, Vizepräsident beim ZDS.
Dass die Häfen viel investieren müssen, unterstrich auch Mike Power, Managing Director der Beratungsagentur Drewry. In seiner Analyse stellte er fest, dass der Handel weiterwachsen wird. „Wir befinden uns nicht in einer Post-Welthandels-Welt“, betonte er. Dabei seien die Aufgaben für die Häfen vielseitig. Einerseits müssten die Containerterminals modernisiert und auf Effizienz getrimmt werden. Andererseits müssten sie sich zu Energy-Hubs transformieren.
Gleichzeitig fällt den Häfen eine große Aufgabe als Drehkreuze bei der Verteidigung zu. In der aktuell geopolitisch sehr angespannten Lage sollten die Häfen fit gemacht werden. „Nach Meinung der Geheimdienste besteht die reale Gefahr, dass Russland einen Schlag gegen Nato-Territorium plant“, betonte Sarah Kirchberger, Wissenschaftliche Direktorin am Institut für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel und ergänzte: „Die Drohnensichtungen spähen unsere kritische Infrastruktur aus, um mögliche Zieldaten zu erfassen.“ Sie machte darüber hinaus klar, dass Deutschland in solch einem Fall als Drehscheibe funktionieren müsse. Dafür benötige man dringend eine intakte Infrastruktur und das sei Aufgabe des Bundes.
Auf einem anderen Gebiet kommen die Behörden hingegen gut voran – der Drogenbekämpfung. Sowohl Oliver Erdmann, Leiter des Hafensicherheitszentrums in Hamburg als auch Markus Tönsgerlemann, Beauftragter der Zollverwaltung für Hafensicherheit machten deutlich, dass der Drogenumschlag in Hamburg zurückgegangen sei.
Quelle: Täglicher Hafenbericht/THB