Der offenbar verworfene Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals bestürzt die einen und bestärkt die anderen: Wirtschaft und Politik sind enttäuscht, während Umweltschützer aufatmen. Verkehrsminister Madsen will weiterhin den Dialog mit dem Bund suchen. Gelingt so noch die Kehrtwende?

Nach jahrelangen Diskussionen und Verzögerungen scheint der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals endgültig vom Tisch. Das Bundesverkehrsministerium hat bislang keine offizielle Bestätigung abgegeben, doch der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) berichtet, der Ausbau werde nicht weiterverfolgt. Was bedeutet das für die Region?

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1900 war der Elbe-Lübeck-Kanal für 1000-Tonnen-Schiffe ausgelegt. Heute jedoch wird er hauptsächlich von kleineren Binnenschiffen und für den Transport von Schüttgut genutzt. Die wirtschaftliche Bedeutung hat abgenommen, während der touristische Wert mit bis zu 5000 Sportbooten jährlich gestiegen ist.

Elbe-Lübeck-Kanal: Ende der Ausbaupläne

Der Elbe-Lübeck-Kanal war im Bundesverkehrswegeplan 2030 im vordringlichen Bedarf verankert. Die Kosten für den Ausbau wurden – Stand 2014 – auf 838 Millionen Euro geschätzt. Die Vertiefung des Kanalbettes auf 2,50 Meter sollte etwa 450 Millionen Euro kosten, der Ersatzbau der sechs Schleusen aus der Kaiserzeit rund 300 Millionen Euro und die Erneuerung der Brücken etwa 40 Millionen Euro.

Politisch war der Ausbau stets umstritten, die Vertiefung und Verbreiterung der Wasserstraße insbesondere aus ökologischen Gründen. Im Februar 2022 legten der Bund und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung den Ausbau auf Eis. Im noch unveröffentlichten Investitionsrahmenplan 2025–2029 (IRP) des Bundesverkehrsministeriums (BMV) soll der Ausbau nun gestrichen sein.

„Der IRP 2025-2029 befindet sich nach der Vorstellung im Ausschuss nun in der Endredaktion und soll in Kürze veröffentlicht werden“, teilt das BMV dazu aktuell lediglich mit.

Wirtschaftliche Bedeutung und Herausforderungen

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) zeigt sich enttäuscht: „Der Elbe-Lübeck-Kanal ist eine sehr wichtige Binnenwasserverbindung des westdeutschen Kanalnetzes an die Ostsee und könnte somit auch für den Lübecker Hafen enorm bedeutsam werden. Nicht mehr zeitgemäße Bauwerke wie die Schleusen und Brücken verhindern allerdings diese Aufwertung. Insofern ist es ein fatales Zeichen seitens des Bundes, den Ausbau des ELK, der seit Jahren ins Stocken geraten ist, nun gänzlich aufgeben zu wollen.“ Madsen kündigt an, weiterhin das Gespräch mit dem Bund zu suchen, um eine mögliche Kehrtwende zu erwirken.

Proteste und Forderungen aus Schleswig-Holstein

Auch die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) sieht den Stopp kritisch. Der Kanal sei eine wertvolle Hinterlandverbindung neben Schiene und Straße. Isabel Venzke von der LHG erklärt, die Nachfrage nach Binnenschiffsverkehren sei da, es fehle aber an geeigneter Infrastruktur. Ohne den Ausbau könne der Kanal nicht von modernen Schiffstypen genutzt werden, was die Wettbewerbsfähigkeit einschränke.

Julius Krüger von der IHK zu Lübeck spricht von einem „schweren Fehler“ aus wirtschaftlicher Sicht. Der Kanal sei die einzige Verbindung des deutschen Binnenwasserstraßennetzes zur Ostsee. Ein Ausbau böte eine zukunftsfähige Perspektive und könnte helfen, Straßentransporte zu verlagern. Doch die veraltete Infrastruktur verhindere dies.

2024 wurden nur gut 167.000 Ladungstonnen registriert. 2023 waren es 270.455 Tonnen. 2021 waren es noch 464.609 Tonnen.
Quelle: Timo Jann

Norbert Brackmann (CDU), Kreistagsabgeordneter und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, hat sich jahrelang für den Ausbau eingesetzt. Er kritisiert die unklaren Signale der Politik: „Weil in den kommenden Wochen die Vorbereitungsarbeiten für den Ersatz der Kanalbrücke am Lanzer See in Basedow beginnen, soll offenbar die Unterhaltung des Kanals für die noch vorhandene Verkehrsleistung fortgesetzt werden. Dann müssten auch die Planungen für die Erneuerung der Schleusen weiterbetrieben werden. Dafür gibt es derzeit aber keine Anzeichen.“ Für Brackmann wäre damit das absehbare Ende des Gütertransports auf dem Kanal eingeläutet.

Umweltschutz als Gewinner

Ganz anders sieht es die Umweltorganisation BUND Herzogtum Lauenburg. Sprecher Heinz Klöser begrüßt das Aus des Ausbaus: „Die hohe ökologische Wertigkeit des Kanals hat sich bereits in der Biodiversitätsstrategie des Bundes niedergeschlagen, wo er als eine Hauptvernetzungsachse aufgenommen wurde.“

Wartung, Sanierung und Grundsicherung des Kanals unterstützen die Umweltschützer, nur nicht den Ausbau. Die historischen Liegenschaften seien denkmalwürdig und trügen zum kulturellen Wert bei. Ferner verweist Klöser darauf, dass der Elbe-Lübeck-Kanal stets nur einen Anteil von 2 Prozent am Lübecker Warenumschlag habe.

 

 

Quelle: Juana Zimmermann / LN