Travemünde. Die Hafenbehörde „Lübeck Port Authority“ baut die Landstromversorgung für Schiffe, die am Skandinavienkai anlegen, weiter aus. Außerdem werden zwei Kleinwindkraftanlagen installiert. Der Lübecker Hafen wird grün – weil die Europäische Union (EU) es verlangt, weil immer mehr Schiffe umweltfreundlich umgerüstet werden und weil der CO₂-Ausstoß in den Häfen verringert werden muss.

Ab Januar 2030 müssen auch RoRo-Fähren, wie sie am Skandinavienkai verkehren, während der Liegezeit im Hafen mit Landstrom versorgt werden. Die Anleger 5 und 6 verfügen bereits über Landstromanlagen. In der zweiten Ausbaustufe sollen die Anleger 4, 5a und 7 mit Landstromsystemen ausgerüstet werden. Mit der Planung soll in diesem Jahr begonnen werden, die Umsetzung soll in den Jahren 2027/2028 erfolgen.

(Die Landstromversorgung am Skandinavienkai in Travemünde wird ausgebaut. Foto: Port of Lübeck)

 

Die Anleger 4 und 7 haben dabei Vorrang, weil hier Schiffe anlegen, die bereits über Landstromsysteme verfügen oder derzeit darauf umgerüstet werden. Noch würden nicht alle Schiffe, die am Skandinavienkai anlegen, über eine landstromfähige Anlage an Bord verfügen, erklärt die Hafenbehörde auf Anfrage: „Eine Umrüstung der Schiffe läuft parallel zum Ausbau der Landstrom-Infrastruktur im Hafen.“

An den Anlegern kommen Kabelmanagementsysteme zum Einsatz. Das sind Kräne mit Teleskoparm, mit dem das Stromkabel vom Land auf das Schiff übergeben wird. Am Skandinavienkai wurde dafür eine Trafostation gebaut, die von einem Umspannwerk in der Nähe des Hafens versorgt wird. Die Besatzungen auf den Schiffen können den Ladevorgang per Funk starten. Zusätzliches Personal werde dafür nicht benötigt.

 

(Die Solaranlage befindet sich auf den Dächern von Logistikhallen am Skandinavienkai. Quelle: E-Mail-LN-Eutin)

Bis zu 55 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß

Die Hafenbehörde wird die Stromlieferung laut Verwaltung zeitnah ausschreiben. Eine Auflage für die Förderung ist, dass „grüner Strom“ angeboten wird. Denn nur mit klimaneutralem Strom können die Umweltziele eingehalten werden. Berechnungen für Schiffe, die regelmäßig in Travemünde vor Anker gehen, ergeben eine mögliche CO₂-Einsparung im Jahr von 55 Prozent. Damit könne ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Luftschadstoffe am Skandinavienkai geleistet werden, heißt es in einer Vorlage für die Politik.

Der Ausbau der Landstromversorgung kostet knapp sieben Millionen Euro. Finanziert wird der Ausbau unter anderem über eine EU-Förderung sowie aus dem Sondervermögen des Bundes. Das Land reicht 140 Millionen Euro aus dem Sondervermögen an die Häfen weiter, neun Millionen Euro landen in Lübeck.

Zwei Kleinwindkraftanlagen sollen grünen Strom liefern

2008 war Lübeck mit einer Anlage am Nordlandkai in die Landstromversorgung eingestiegen. Viele Jahre lang galt Landstrom für die Versorgung von RoRo-Fähren im Hafen als unwirtschaftlich, weil die Liegezeiten geringer sind als bei Kreuzfahrtschiffen. Am Nordlandkai wird die Anlage nicht mehr benötigt. Von der Idee, die Anlage an den Skandinavienkai zu verlegen, hat die Hafenbehörde inzwischen Abstand genommen – zu aufwendig.

Neben den Landstromanlagen baut die Hafenbehörde noch zwei Kleinwindkraftanlagen am Skandinavienkai. Diese Anlagen können mit einer maximalen Höhe von 15 Metern über Geländeoberkante genehmigungsfrei aufgestellt werden.

Bis zu 25.000 Kilowattstunden pro Anlage im Jahr

Die gewonnene Energie soll direkt beim Betrieb des Skandinavienkais genutzt werden. Das Konzept sieht laut Hafenbehörde beispielsweise vor, Spannungsspitzen bei der Versorgung der Schiffe mit Landstrom zu reduzieren oder den benötigten Energiebedarf für den geplanten Fuhrpark der elektrischen Betriebsfahrzeuge kostengünstig und emissionsarm zu sichern.

Untersuchungen zu den Winddaten am Skandinavienkai aus den Jahren 2024 und 2025 weisen nach Verwaltungsangaben ein mögliches jährliches Ertragspotenzial von rund 25.000 Kilowattstunden pro Anlage auf.

 

 

Quelle: LN / Kai Dordowsky