Einseitige Interessenslage
Während entlang des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) der 125-jährige Geburtstag mit Festveranstaltungen gefeiert wird, findet dergleichen in der Hansestadt nicht statt. Dabei
gehörten dieser Kanal und der 1914 eröffnete Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute: Nord-Ostsee-Kanal) zwischen Kiel und Brunsbüttel/Elbe damals zu den größten nationalen Infra-
strukturprojekten in Norddeutschland. Statt eines Rückblicks in die hafenwirtschaftliche Neuorientierung der Hansestadt Ende des 19.Jahrhunderts finden vom 14.-16. Juni rund um die MuK nun die Fehmarn-Belt-Days (FBD) statt. Mit dem geplanten bunten Bürger- und Demokratiefest soll für die Fehmarnbelt-Region mit Lübeck als Oberzentrum an der TEN-Trasse (Trans-European-Network Verkehr) zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer (Scan-Med-Korridor) geworben werden.
Sowohl die Anbindung an das deutsche und mitteleuropäische Binnenwasserstraßennetz wie die TEN-Trassen durch Europa gehen auf Pläne aus der Zeit des Kalten Krieges zurück. Der von den norddeutschen Küstenländern geforderte Neubau des Elbe-Seitenkanals (ESK) und der Ausbau des Elbe- Lübeck-Kanals dienten der gewünschten Verbindung zu den nordwestdeutschen Binnenschifffahrtsstraßen und war auf nationaler Ebene in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht inspirierend. Von anderer Größenordnung war dann die von der Europäischen Union international durchgesetzte Entwicklung eines europäischen Binnenmarktes im freien Europa, eine erfolgreiche Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Marktes der Union.
Welche Auswirkungen und welche Bedeutungen besitzen die nationalen wie internationalen wirtschaftspolitischen infrastrukturellen Entscheidungen für Lübeck, das seit 2012 als Oberzentrum in der Metropolregion Hamburg agiert?
Elbe-Trave/Lübeck-Kanal: Nachhaltige Verbindung zwischen Ostsee und Mitteleuropa
Mit Peter Rehder begann eine beispiellose Entwicklung der Hansestadt als Hafenstadt. U.a. aktivierte er für Handel,Industrie und Verkehrsentwicklung die bauliche und wirtschaftliche Ausgestaltung und Nutzbarmachung der Lübecker Hauptschifffahrtsstraßen. Als Nachfolgerin des Stecknitz-Kanals entwickelte er den Elbe-Trave-Kanal. Er wurde zu einer modernen Binnenwasserstraße ausgebaut für Binnenschiffe mit einer Länge bis zu 80 m, mit einer Breite bis zu 9,50 m und einem Tiefgang von 2,20 m. Seit 1990 wurden sechs der historischen Schleusen grundinstandgesetzt. Die siebte Schleuse (in Lauenburg) wurde 2006 durch einen Neubau ersetzt mit einer nutzbaren Länge von 115 m und einer Breite von 12,50 m. Doch die Maße der meisten Schleusen sind inzwischen zu klein für moderne Binnen- schiffe, wie z. B. den Großmotorgüterschiffen (GMS 110 mL – 11,4 mB – 2,8 mTg). Die kleineren alten Binnenschiffe sind inzwischen weitgehend abgewrackt. Da eine zeitge- rechte Modernisierung der Infrastruktur des Kanals seitens des Bundes unterlassen wurde, war das Transportpotential auf dem Kanal von Jahr zu Jahr rückläufig, zuletzt nur noch ein Transportaufkommen von 280.000 t. Was tun?
Elbe-Lübeck-Kanal (ELK): Blick in die Zukunft
Als im Oktober 2024 die Donnerschleuse in Neu-Lankau nach einer Routineuntersuchung wegen eines Schadens still- gelegt werden musste, wurde über das weitere Schicksal des gesperrten ELK von verschiedenen Seiten nachgedacht. Damit der ELK durch Nichtstun nicht in die Bedeutungslosigkeit ge- drängt wird, hat u. a. der Arbeitskreis „Elbe-Lübeck-Kanal“ der IHK Lübeck ein Maßnahmen-Paket entwickelt, das auf Umsetzung wartet:
a. Kurz-/mittelfristig: Befürwortung des Baus und Einsat- zes von kürzeren und flachergehenden Transportmitteln bis zu 80 m Länge und die Prüfung der Möglichkeit von autonomer Schifffahrt,
b. Langfristig: Ausbau des ELK mit Schleusen von mindes- tens 115 m Länge, Anpassung des Kanalbettes auf die er- forderliche Tauchtiefe für den dort dann auch möglichen Einsatz von Großmotorgüterschiffen,
c. Einsetzung eines „Kümmerers“ als aktiv werdenden In- teressensvertreter des ELK.
Der ELK ist seit dem 24. Mai 2025 wieder geöffnet– für den normalen Betrieb der Binnenschifffahrt und zur Freude von Sportbootbesitzern. Nur von einem „Kümmerer“ hat man leider noch nichts gehört. Noch fehlt das Wirken einer Führungskraft vom Format eines Peter Rehder!
Quelle: Lübeckische Blätter, Ausgabe 12/2025, von Hagen Scheffler
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Chronik des Elbe-Lübeck-Kanals
Vorläufer: Der Stecknitzkanal
• 1391–1398: Bau des Stecknitzkanals, des ältesten künstlichen Wasserwegs Europas, zwischen Lübeck und Lauenburg.
o Diente dem Transport von Salz aus Lüneburg nach Lübeck. o Bestand aus natürlichen Flüssen und künstlichen Gräben.
o Erste echte Binnenwasserstraße Europas mit Schleusen.
19. Jahrhundert: Pläne für Modernisierung
• 1820er–1850er: Diskussionen über den Ausbau des veralteten Stecknitzkanals.
• 1860er–1870er: Technischer Fortschritt und wachsender Güterverkehr machen einen Neubau notwendig.
Bau des Elbe-Lübeck-Kanals
• 1895: Preußischer Landtag beschließt den Bau eines modernen Kanals.
• 1895–1900: Bau des Elbe-Lübeck-Kanals als moderner Nachfolger des Stecknitzkanals.
o Länge: ca. 61,5 km
o 7 Schleusen: u.a. in Lauenburg, Büchen, Witzeeze, Mölln und Lübeck.
• 16. Juni 1900: Feierliche Eröffnung des Elbe-Lübeck-Kanals.
20. Jahrhundert: Nutzung und Bedeutung
• 1900–1945: Wichtige Verbindung zwischen der Elbe (Lauenburg) und der Ostsee (Lübeck-Travemünde).
• Nach 1945: Bedeutung des Kanals nimmt aufgrund von Straßen- und Eisenbahnverkehr ab.
• DDR-Zeit: Kanal lag im Grenzgebiet zwischen Ost und West – Verkehr eingeschränkt.
Ab 1990: Wiederbelebung und Denkmalschutz
• 1990er: Wiedervereinigung bringt neue Nutzungsmöglichkeiten.
• 2000er: Modernisierungen zur Sicherung der Wasserstraße.
• 2007: Große Teile des alten Stecknitzkanals und Bauwerke des Elbe-Lübeck-Kanals werden unter Denkmalschutz gestellt.
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Kanal der Zukunft – aber bitte nicht zu schnell!.
Ein satirisch-kritischer Bericht über den Elbe-Lübeck-Kanal
Der Elbe-Lübeck-Kanal, einst visionärer Verkehrsweg des Kaiserreichs und technisches Wunderwerk zwischen Salz, Schleusen und Schaufelrädern, kämpft sich im 21. Jahrhundert tapfer durch die Tücken der deutschen Verwaltung.
Infrastruktur auf Zeitreise
• Während in China Hochgeschwindigkeitszüge über neu gebaute Brücken gleiten, freut sich die Schifffahrt auf dem Elbe-Lübeck-Kanal über jede Schleuse, die noch nicht „aus sicherheitstechnischen Gründen vorübergehend gesperrt“ ist. Die Sanierung mehrerer Schleusen zieht sich – wie der Kanal selbst – in die Länge.
Die letzte Generalüberholung mancher Anlagen stammt noch aus einer Zeit, als Faxgeräte als Hightech galten.
Modernisierungen? Ja, gerne – aber bitte nach 27 Gutachten, 4 Umweltverträglichkeitsprüfungen und Rücksprache mit dem Biberbeauftragten.
Denn was wäre eine Kanalschleusensanierung ohne eine seltene Libellenart, die genau dort lebt, wo gebaut werden soll?
•Wirtschaftlich: schleppend
• Vom großen Wirtschaftsfaktor zur Wassersport-Idylle: Der Güterverkehr auf dem Kanal dümpelt seit Jahren vor sich hin. Frachtschiffe? Wenige. Freizeitkapitäne mit Kaltgetränk im Klappstuhl? Deutlich mehr.
• Fazit: • Der Elbe-Lübeck-Kanal ist eine Wasserstraße mit Geschichte – aber manchmal auch mit Geschichten, die man kaum glauben würde. Zwischen Denkmalschutz, Digitalisierung auf Modem-Niveau und dem Wettlauf gegen die Zeit bleibt nur eins klar:
Der Kanal lebt – aber manchmal fragt man sich: wovon eigentlich?