Traditionell am zweiten Freitag im Februar fand in den Räumlichkeiten der historischen Schiffergesellschaft das 49. Schiffsmakleressen statt.

333 Gäste aus 12 Nationen, Vertreter verschiedener politischer, wirtschaftlicher und kultureller Institutionen, waren der Einladung gefolgt und haben mit ihrem Kommen ihre Verbundenheit zur maritimen Wirtschaft Lübecks Ausdruck verliehen.

Besonderer Dank galt in diesem Jahr dem „Speaker“ Rüdiger Schacht von der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, einem langjährigen Wegbegleiter des Lübecker Hafens.

Zu den Ehrengästen des Abends zählten unter anderem Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, die schwedische Honorarkonsulin Vivien Hinsen-Paesler, der finnische Honorarkonsul Bernd Jorkisch sowie Senatorin Joanna Hagen.

Neben dem geselligen Austausch standen vor allem die aktuellen geopolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen im Fokus. Der Ostseeraum sei ein „spannendes, aber auch herausforderndes Revier“, hieß es in der Rede des Vorsitzenden Michael Schaefer. Handelshemmnisse, Sanktionen, sicherheitspolitische Spannungen und beschädigte Infrastruktur prägten derzeit das Umfeld der Branche. Gleichzeitig beschleunigten Digitalisierung und Automatisierung den Wandel in bislang nicht gekannter Geschwindigkeit.

Dekarbonisierung und Digitalisierung als Schlüsselthemen

Die Dekarbonisierung der Schifffahrt sei längst vom Zukunftsthema zum Tagesgeschäft geworden. Alternative Antriebe wie LNG, Methanol oder Ammoniak sowie zahlreiche technische Innovationen stünden bereit, um die maritime Energiewende voranzutreiben.

Parallel dazu entwickelten sich Häfen im Ostseeraum zunehmend zu digitalen Knotenpunkten. Städte wie Turku, Tallinn, Göteborg und Trelleborg investierten in Smart-Port-Konzepte, digitale Plattformen und automatisierte Prozesse. Die Ostsee sei damit längst mehr als ein Binnenmeer – sie entwickle sich zu einem Testfeld der maritimen Zukunft.

 

Infrastruktur und Fachkräftesicherung im Fokus

Deutliche Worte fand die Branche mit Blick auf die nationale Infrastrukturpolitik. Ein Verzicht auf den Elbe-Lübeck-Kanal würde die Leistungsfähigkeit der regionalen Logistik erheblich beeinträchtigen. Sollten Wasserwege geschwächt werden, müssten Straßen- und Schienenkapazitäten im Raum Lübeck entsprechend ausgebaut werden, um künftiges Wachstum nicht auszubremsen.

Auch der Erhalt des deutschen Spezialschiffbaus wurde als strategisch bedeutsam für Europa, die NATO und die nationale Sicherheit hervorgehoben. Know-how in Militärtechnologie, Spezialfahrzeugbau sowie Wartung maritimer Infrastruktur sei von substantieller Bedeutung.

Darüber hinaus bleibe die Nachwuchssicherung eine zentrale Aufgabe. Die Branche benötige dringend Seeleute, technische Fachkräfte und Schifffahrtskaufleute. Angesichts demografischer Entwicklungen müsse die Ausbildung junger Menschen weiter intensiviert werden.

Mit Blick auf die kommende Maritime Konferenz in Emden wurden die Erwartungen an die Politik bekräftigt. Der neue maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, wurde zur entschlossenen Unterstützung zentraler Branchenthemen aufgerufen – insbesondere beim Bürokratieabbau auf nationaler und europäischer Ebene.

Vertrauen als Fundament

Trotz aller Herausforderungen blieb die Grundbotschaft des Abends optimistisch: Die maritime Zukunft werde grüner, smarter und vernetzter sein. Entscheidend bleibe jedoch der persönliche Austausch. „Echte Deals entstehen nicht durch Algorithmen, sondern durch Menschen, die miteinander sprechen und einander vertrauen“, lautete das Fazit.

Das Schiffsmakleressen in Lübeck unterstrich damit einmal mehr die Bedeutung von Zusammenhalt, Innovationskraft und klaren politischen Rahmenbedingungen für eine starke maritime Wirtschaft im Ostseeraum.

Für die Hansestadt Lübeck überbrachte Bürgermeister Jan Lindenau die Grußworte. Er stellte klar, dass der Hafenentwicklungsplan 2030 auch unter wirtschaftlich anspruchsvollen Rahmenbedingungen konsequent umgesetzt werde.

Die Stadt investiert im Jahr 2026 mehr als 17 Millionen Euro in den Ausbau der Anleger und der Bahninfrastruktur. Weitere 9 Millionen Euro fließen über ein Sondervermögen in den Bau von Landstromanlagen. Zusätzlich wird das EU-Projekt „Hansalink 3“ mit 12,75 Millionen Euro gefördert.

Der Port of Lübeck zählt zu den wichtigsten Häfen der Ostsee. Auf rund 264 Hektar – von der Travemündung bis in die Innenstadt – werden an 365 Tagen im Jahr Massengüter, Stückgüter, Forstprodukte sowie RoRo- und ConRo-Fracht umgeschlagen. Als TEN-T-Kernnetzhafen mit direkter Anbindung an Straße, Schiene und den Elbe-Lübeck-Kanal verfügt der Standort über eine zentrale logistische Bedeutung im Ostseeraum.

Mit den angekündigten Investitionen setzt die Stadt ein klares Signal für die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsstärke des Lübecker Hafens.

 

Nach dem Essen fand die traditionelle „Tellersammlung“, eine Geldspendensammlung in Suppentellern, statt.
Es kam der Erlös von 6739,90 EUR zusammen. Bürgermeister Jan Lindenau und Prof. Dr. Jürgens von der LHG erhöhten die Summe auf 7000 EUR, zugunsten sozialer Lübecker Einrichtungen.

 

Von links nach rechts Rüdiger Pfaff (Vorsitzender der Schiffergesellschaft), Michael Schaefer (Vorsitzer VLSS), Bernd Jorkisch (Honorarkonsul Finnland), Gabriela Chlench-Andersen (Geschäftsführerin VLSS), Rüdiger Schacht (Speaker), Jan Lindenau (Bürgermeister der Hansestadt Lübeck)

 

 

Impressionen des Abends:

Quelle: VLSS/LHR