Sie sorgen dafür, dass ein sehr spezielles Vehikel nach wie vor über den Elbe-Lübeck-Kanal fährt: Die Mitglieder des Fördervereins Seilfähre Siebeneichen werden mit dem deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet. Was ihr Projekt so besonders macht.

 

Außergewöhnliche Ehrung für ein außergewöhnliches Fortbewegungsmittel: Die Fähre Siebeneichen und der Förderverein, der die Plattform seit 2014 am Elbe-Lübeck-Kanal betreibt, sollen mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2025 ausgezeichnet werden. Die Preisverleihung ist für den 3. November in Berlin angesetzt.

Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wird dann elf Persönlichkeiten und Personengruppen, die sich in besonderem Maße um die Erhaltung und Vermittlung des baulichen und archäologischen Erbes verdient gemacht haben, auszeichnen. „Das ist für uns eine große Überraschung, außerdem Motivation und Bestätigung für das, was wir hier seit 2014 machen“, sagt Ernst Jenner, Vorstand des Fördervereins.

Ehrenamtliche Fährleute sichern den Betrieb

Der Förderverein war gegründet worden, als der Kreis Herzogtum Lauenburg und das Amt Büchen den Betrieb über 2016 hinaus nicht mehr finanzierten. Das Geld einer Stiftung war zur Neige gegangen. Heute bedienen ehrenamtliche Fährmänner und Fährfrauen die Seilfähre, wenn jemand den Elbe-Lübeck-Kanal queren möchte. 2024 wurden so an 58 planmäßigen Fahrtagen zwischen Anfang April und dem 3. Oktober 1436 Touren (2023: 1510) gefahren. 753 Fahrzeuge (1115) und 4754 Personen (4261) wurden befördert. Die Fahrt ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten.

„Ich freue mich über die Entscheidung für den Förderverein, das ist eine tolle Anerkennung der Arbeit“, sagt Landrat Christoph Mager. Der Kreis ist nach wie vor Eigentümer der speziellen Fähre.

(Über diese Winde läuft das Seil, an dem die Fähre unterwegs ist. In dem Bauwagen im Hintergrund haben die Fährleute am Siebeneichener Ufer ihre Basis.Quelle: Timo Jann)

 

Als im Jahr 1900 der Elbe-Lübeck-Kanal (damals Elbe-Trave-Kanal) als Ersatz für die 500 Jahre alte Stecknitzfahrt als „nasse Salzstraße“ in Betrieb ging, musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt für einen Ersatz der unterbrochenen Straßenverbindung zwischen Siebeneichen im Westen und Fitzen im Osten sorgen. So wurde die einzige Fährverbindung an der gut 60 Kilometer langen Wasserstraße zwischen Lauenburg und Lübeck in Betrieb genommen.

Wer auf die andere Seite will, muss die Glocke läuten

Bis 1960 war es eine handbetriebene Seilzugfähre. Ein Seil wurde genutzt, um den Kurs zwischen den Anlegestellen zu halten, ein zweites für die Vorwärtsbewegung. Wer übersetzen wollte, musste die Glocke läuten. So geht es noch heute. Dann wird das Seil gespannt, der mittlerweile eingebaute Motor gestartet und die Fahrt aufgenommen.

„Es braucht Feingefühl, die Dame Motor ist jeden Tag anders“, berichtet Fährfrau Ilse Busch. Sie hat sich als eines der ersten Vereinsmitglieder ausbilden lassen, um die Fähre bedienen zu dürfen. Derzeit lernt sie ihre Auszubildende Beate Po an. „Das ist ein tolles Ehrenamt“, schwärmt diese.

(Die Beladevorschrift regelt ganz genau, welche Last und wie viele Passagiere pro Fahrt übergesetzt werden dürfen.Quelle: Timo Jann)

 

Während der Saison verkehrt die Fähre sonnabends und sonntags sowie an Feiertagen auf Zuruf zwischen 10 und 18 Uhr. Jenner: „Man kann sie aber auch für besondere Anlässe buchen.“ Fahrten von Hochzeitspaaren seien etwa möglich. Ruht der Betrieb, liegt das Stahlseil am Grund des Kanals. Es muss vor jeder Fahrt gespannt werden. Weil heute nur noch selten Binnenschiffe unterwegs sind, ist es kaum noch ein Hindernis. Die Technik gilt als eine in der Schifffahrt sogenannte „Nicht-Freifahrende-Fähre“.

Gebaut wurde die 17,48 Meter lange und 5,60 Meter breite Seilfähre mit der Kennung „SF 74“ im Jahr 1961 auf der Staatswerft in Rendsburg-Saatsee. Sie kann 20 Passagiere und 2,5 Tonnen Last, zehn Passagiere und 3,5 Tonnen Last oder zwei Passagiere und fünf Tonnen Last transportieren. Die Fahrtstrecke beträgt 75 Meter.

(Die ehrenamtlich aktive Fährfrau Ilse Busch nimmt von Fahrgast Stefan Foerster eine Spende entgegen.Quelle: Timo Jann)

 

Meistens sind Ausflügler an Bord, wie Stefan Foerster aus Bremerhaven. „Ich wusste gar nicht, dass ich hier mit der Fähre übersetzen kann“, erzählt der Radler während der Überfahrt auf dem Weg von Zarrentin nach Hause. Die nächsten Brücken wären vier oder fünf Kilometer entfernt.

Nun soll der Förderverein der Fähre Siebeneichen die „Silberne Halbkugel“ bekommen, die seit 1979 verliehen wird. Die Plattform selbst steht seit 2015 unter Denkmalschutz. „Wir kümmern uns nicht nur um die Fähre, sondern vermitteln den Menschen hier auch die Besonderheit der Region. Es kommen sehr viele Menschen an diesen besonderen historischen Ort“, sagt Jenner, der sich freut, mit der Auszeichnung auch in den bundesweiten Fokus zu rücken.

 

Quelle: LN, Timo Jann