Die Sperrung des Ostpreußenkais in Travemünde kommt für Fachleute nicht überraschend. Die Kaianlage ist nahezu 100 Jahre alt und zeigte bereits seit längerem deutliche Anzeichen ihres fortgeschrittenen Alters. So hatte es in der Vergangenheit unter anderem Versackungen gegeben, zudem waren wiederholt Taucher im Einsatz, um den Zustand der Anlage unter Wasser zu untersuchen. Angesichts des Alters des Bauwerks sind solche Entwicklungen grundsätzlich nicht ungewöhnlich.

Wie bei Brücken, Tunneln oder Straßen werden auch Kaianlagen regelmäßig geprüft. Die Bauwerksprüfungen erfolgen nach einem festgelegten Bewertungssystem. Je schlechter der Zustand eines Bauwerks bewertet wird, desto häufiger müssen Kontrollen stattfinden. Ab einer Zustandsnote von 3,0 sind Einschränkungen erforderlich, ab einer Note von 4,0 bleibt aus Sicherheitsgründen nur noch die vollständige Sperrung.
Nach Informationen, die der Hafenrundschau vorliegen, hatten sich am Ostpreußenkai die Prüfintervalle in den vergangenen Jahren zunehmend verkürzt. Gleichzeitig verschlechterten sich die Bewertungen des Bauwerks kontinuierlich. Die aktuelle Bauwerksinspektion hat nun erhebliche Mängel an der Standsicherheit der Kaianlage festgestellt. Damit werden die Folgen jahrelang unterbliebener oder nicht ausreichender Ertüchtigungs- und Instandsetzungsmaßnahmen sichtbar.
Der Hafenbetreiber war während des gesamten Prozesses eng eingebunden und über die Entwicklung des Bauwerkszustandes fortlaufend informiert. Die nun erfolgte Sperrung ist daher keine Reaktion auf einen plötzlichen Schaden, sondern die Konsequenz einer seit Jahren dokumentierten Entwicklung.
Das Terminalgebäude selbst ist von der Sperrung zunächst nicht betroffen und kann nach aktuellem Stand weiter betrieben werden. Die Einschränkungen betreffen ausschließlich die Kaianlage, deren Standsicherheit nach den jüngsten Erkenntnissen nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann.
Wie man mit dem Anlauf der MS EUROPA am 26.06.2026 umgeht, ist noch nicht bekannt. Das Schiff würde an diesem Tag einen Passagierwechsel vollziehen und hätte zwischen Ausschiffung und Einschiffung ein Besucherevent für angemeldete Gäste.
Anfragen zu diesem Thema liegen bei Hapag-Lloyd Cruises, der Lübecker Hafen-Gesellschaft und der Hansestadt Lübeck vor.
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