Der Hamburger Christoph Ploß ist seit einem Monat Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus. Er ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Als Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Verkehrsausschuss setzt er sich seit Jahren ein für schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren bei Infrastrukturprojekten, mehr Investitionen in das Autobahn- und Schienennetz sowie eine dauerhaft tragfähige Finanzierung für den Hafen- und Schifffahrtsstandort Deutschland ein. Der THB traf ihn zum Interview an den Landungsbrücken.

Christoph Ploß aus Hamburg ist der neue Maritime Koordinator der Bundesregierung. Er hat das Amt von Dieter Janecek übernommen, Foto: Timo Jann
Auszug aus dem Interwiew zum Thema Binnenschiffahrt:
Im Bereich der Binnenschifffahrt sind viele ältere Einheiten unterwegs. Wie stehen Sie zu einem Förderprogramm für die Modernisierung von Schiffsmotoren?
Unternehmen der Binnenschifffahrt können zahlreiche Förderprogramme in Anspruch nehmen, zum Beispiel das Flottenmodernisierungsprogramm, das Programm „Digitale Testfelder auf Wasserstraßen“ oder das Maritime Forschungsprogramm. Ich kann Unternehmen nur ermutigen, diese Förderungen zu nutzen und sich so zukunftsfest aufzustellen. Die Programme müssen mindestens beibehalten, am besten ausgebaut werden.
Die Straßen sind überlastet, Brücken marode, das Schienennetz ist eingeschränkt – sehen Sie Chancen für ein deutliches Plus bei der Verkehrsverlagerung auf die Wasserstraße, die ja noch Kapazitäten bietet ?
Die Binnenschifffahrt ist eine wichtige Säule des Güterverkehrs in Deutschland und Europa. Leider wird die Binnenschifffahrt manchmal unterschätzt, obwohl gerade auf der Wasserstraße noch viele Kapazitäten frei sind. Ich sehe hier große Chancen im Bereich der Groß- und Schwertransporte. Ich bin dazu im engen Austausch mit dem Verkehrsministerium. Die Bundesregierung wird bis Ende September gemeinsam mit den Bundesländern und den Kommunen sogenannte Mikrokorridore an über 250 Umschlagstellen festlegen. Hier geht es um den Weg vom Hafen zum übergeordneten Straßennetz. Der Transport wird dann auf diesen Korridoren gebündelt. Wichtig ist, dass die Länder und Kommunen auch die finanziellen Mittel für diese Infrastruktur bereitstellen. Unser Ziel ist es, mit Mikrokorridoren Groß- und Schwertransporte zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das ist zum Beispiel relevant für Teile von Windenergieanlagen.
Unter Ihrem Vor-Vorgänger Norbert Brackmann war der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ein großes Thema. Das ist nun in den Schubladen verschwunden. Wäre es nicht sinnvoll, die 125 Jahre alte Wasserstraße endlich auszubauen?
Der vorgesehene Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals wurde zurückgestellt, da er sich unter anderem als unwirtschaftlich erwies. Eine Neubewertung soll aber auf Basis der aktuellen Bedarfsplanüberprüfung stattfinden. Unterdessen laufen Maßnahmen am Elbe-Lübeck-Kanal, die den Betrieb der Wasserstraße dauerhaft sichern sollen – zum Beispiel, indem man moderne Abmessungen vorsieht. So wurden und werden die Kanalbrücken für den zweilagigen Containerverkehr auf eine Durchfahrtshöhe von 5,25 m ausgelegt. Parallel prüfen wir, wie Schiffstransporte vom Seehafen Rostock über den Elbe-Lübeck-Kanal mit Binnenschiffen ermöglicht werden können. Die Wirtschaft, insbesondere die Windkraftbranche, zeigt hieran großes Interesse als Alternative zum Straßentransport.
Quelle: THB / Täglicher Hafenbericht